Bei strahlendem Sonnenschein machten wir uns in der Früh auf den Weg nach Heidelberg. Als wir ankamen, wurden wir schon von drei Guides zur Stadtführung empfangen.
Mit schönen Ausblicken über den Bodensee erreichten wir unser Ziel bei den bekannten Pfahlbauten in Unteruhldingen. Die Besichtigung der Rekonstruktionen einstiger Pfahlbaudörfer macht eine seit fast 100 Jahren versunkene Welt wieder sichtbar. Die Pfahlbauten verkörpern eine ungewohnte Welt und wirken doch mit ihren Materialien natrlich und vertraut.
Heidelberg ist eine Großstadtmit ber 162.000 Einwohnern in Baden-Württembergund liegt direkt am Neckar. Sie wurde im Jahr 1196 zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt. Die ehemalige kurpfälzischeResidenzstadtist bekannt für ihre malerische Altstadt, ihre Schlossruine und die Ruprecht-Karls-Universität, welche die älteste Hochschule in Deutschland ist. Außerdem ist sie die fünft größte Stadt Baden-Württembergs und auf Platz 50 der größten Städte Deutschlands. Die Altstadt ist der älteste Stadtteil Heidelbergs; sie bildet den historischen Kern der Stadt. Dort befinden sich die meisten Sehenswürdigkeiten, wie das Heidelberger Schloss. 2004 und 2007 bewarb sich Heidelberg um eine Anerkennung der Altstadt als Weltkulturerbe der UNESCO. Dazu gehören auch die weiter außerhalb gelegenen Gebiete wie die Molkenkur, der Kohlhof und der Speyerer Hof. Zusammen mit der Altstadt bildet das westlich gelegene Bergheim, das älter ist als die Altstadt, die Innenstadt. Überreste menschlicher Besiedlung lassen sich bis in die frühe Steinzeit zurückverfolgen. Bergheim wurde 769 erstmals im Lorscher Codex urkundlich erwähnt. 1392 wurde das Dorf Bergheim aufgelöst und die Bewohner in die Residenzstadt Heidelberg zwangsumgesiedelt.
WährendderFührung,diesehrausführlichundhochinteressantwarsindeinige,diedarannicht teilnahmen, bereits auf einen gemütlichen Trunk gegangen.DergrößteundzugleichältesteStadtteilHeidelbergsistKirchheim,das1920eingemeindetwurde. ImJahr1386gründeteRuprechtI.dieUniversitätHeidelbergalsdritteHochschuleimHeiligen RömischenReich,gleichnachPragundWien.SieistdieältesteUniversitätDeutschlands.Vonder HerrschaftRuprechtIII.,derimJahr1400zumrömisch-deutschenKöniggewähltwurde,profitierte HeidelbergdurchdenBauderHeiliggeistkircheundseineNachfolgermachtendieUniversität HeidelbergEndedes15.JahrhundertszueinerHochburgdesfrühenHumanismus.ImJahre1688 und1693wurdeHeidelbergzweimalimVerlaufeeinesKriegesvonfranzösischenTruppen eingenommenundkomplettverwüstet.NachdemderErbfolgekrieg1697beendetwar,bauteman das zerstörte Heidelberg im Stil des Barock auf mittelalterlichem Grundriss wieder auf. DasHeidelbergerSchloss,anfangsalsBurgkonzipiert,wurdespäterzumSchlossausgebautund dientedemKurfürstenKarlPhillippIII.fastdreiJahrhundertelangalsResidenz.Nachdemdas HeidelbergerSchlossnachderZerstörungdurchdieFranzosenunbewohnbarwarundesohnehin nichtmehrdembarockenZeitgeschmackentsprach,einesolcheResidenzimBereichdesheutigen StadtteilsBergheimneuzubauen,scheitertenamWiderstandderHeidelbergerBürgerschaft.Somit entschlosssichderKurfürstKarlPhillippIII.1720seineResidenznachMannheimzuverlegenund sichdorteinprunkvollesSchlosszuerrichten.DasHeidelbergerSchlossausrotemNeckartäler SandsteinistheuteeinederberühmtestenRuinenDeutschlandsunddasWahrzeichenvon Heidelberg; es zählt zu den meistbesuchten touristischen Sehenswrdigkeiten Europas. Im Jahr 1777 verlegte Kurfürst Karl Theodorseine Residenz von Mannheimnach München und verlor das Heidelberger Schloss noch mehr aus den Augen. Teile der Räume wurden nun von Handwerksbetrieben genutzt. Schon 1767 hatte man begonnen, die Quader des Südwalles als Baumaterial für das Schwetzinger Schlosszu verwenden. Im Jahr 1784 wurden sogar die Gewölbe im Erdgeschoss entnommen und in Ottheinrichs Bauseingebaut und das Schloss als Steinbruch verwendet.Die Heidelberger Bürger holten aus dem Schloss Steine, Holz und Eisen zum Bau ihrer Häuser. Auch Figuren und Verzierungen wurden abgeschlagen. August von Kotzebueäußerte sich 1803 voller Empörung über die Absicht der Regierung, die Ruinen abtragen zu lassen. Das zerstörte Schloss wurde Anfang des 19. Jahrhunderts zum Sinnbild für die patriotische Gesinnung, die sich gegen die napoleonische Unterdrückung richtete. Schon vor 1800 erkannten Maler und Zeichner in der Schlossruine und der bergigen Flusslandschaft ein idealtypisches Ensemble. Den Höhepunkt bilden die Gemälde des Engländers William Turner, der sich zwischen 1817 und 1844 mehrfach in Heidelberg aufhielt und etliche Gemälde von Heidelberg und dem Schloss anfertigte. Landschaftsmaler machten die Schlossreste zum zentralen Motiv ihrer Gemälde, in denen häufig das Anmutige der umgebenden Landschaft in Kontrast gestellt wurde zum Feierlich-Dsteren der Ruine. Im Laufe des 19.Jahrhunderts wurde Heidelberg mit seinem Schloss zunehmend bekannt und beliebt. DerRetterdesSchlosseswarderfranzösischeGrafCharlesdeGraimberg;erwarvonderStadtund demSchlosssobegeistert,dasserdierestlichen54JahreseinesLebensbliebundinzahlreichen Kupferstichen den Zustand des Bauwerks festhielt.
LangebevoresinDeutschlandeineorganisierteDenkmalpflegegab,warerdererste,dersichumdenErhaltunddie DokumentationdesSchlosseskümmerte,selbstalsbeideraufkeimendenSchlossromantiknochniemanddarandachte,den VerfalldesBauwerkszuunterbinden.ZudemführteerdieerstenhistorischenGrabungenimSchlossdurchundwohnteeine ZeitlangimSchlosshof,umzuverhindern,dassdieBürgerHeidelbergsBaumaterialfürihreHäuserausdemSchloss herausbrachten.AngesichtsdieserAktivitätenistesGraimbergzuverdanken,dassdasSchlossnochsteht.Inseinem Wohnhaus,dasheutigePalaisGraimberg,legteerauseigenemVermögeneineSammlungvon„Altertmern“zurGeschichte der Stadt und des Schlosses an, die später zum Grundstock des Kurpfälzischen Museums wurde. Die Frage, ob das Schloss vollständig wiederhergestellt werden solle, führte zu langen Diskussionen. Der Dichter Wolfgang Müller von Königswintermachte sich im Jahr 1868 für eine vollständige Erneuerung stark und rief damit heftige Reaktionen hervor, die in der Presse und in Versammlungen ausgetragen wurden. Aus dem Streit um den richtigen Umgang mit der Schlossruine entwickelte sich eine Grundsatzdiskussion über die Aufgaben der Denkmalpflege. Die Ergebnisse dieser Debatte, die als der „Heidelberger Schlossstreit“ in die Geschichte eingegangen sind, prägten die Prinzipien der Bewahrung historischer Bauwerke nachhaltig. Zum Mittagessen trafen wir uns im Gasthaus Zum Weißen Schwanen, wo wir gemeinsam gut gegessen haben. Anschließend war Zeit zur freien Verfügung und jeder konnte Heidelberg auf seine Weise unsicher machen und erforschen.
Im 20. Jahrhundert verfielen die US-Amerikaner noch mehr dem Heidelberg-Mythos und trugen ihn hinaus in die Welt. So kommt es, dass auch viele andere Nationalitäten das Heidelberger Schloss auf ihren Kurzreisen durch Europa zu den wenigen Zwischenstopps zählen. Heidelberg hat zu Beginn des 21. Jahrhunderts jährlich mehr als eine Million Besucher und etwa 900.000 übernachtungen. Wichtigster Anlaufpunkt ist laut einer Befragung des geografischen Instituts der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und das Schloss mit seinen Aussichtsterrassen.Das Heidelberger Schloss zählt heute zu den landeseigenen Monumenten und wird von der Einrichtung „Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg“ betreut. Zudem ist das Schloss nach Angaben der Schlösserverwaltung das größte Fledermaus-Winterquartier in Nordbaden.
Fachleute aus ganz Deutschland, kamen zu der Überzeugung, dass eine völlige oder teilweise Wiederherstellung des Schlosses nicht in Betracht komme, dagegen eine Erhaltung des jetzigen Zustandes mit allen Mitteln zu erstreben sei. Nur der Friedrichsbau, dessen Innenräume zwar durch Feuer zerstört waren, der aber nie Ruine war, sollte wiederhergestellt werden. Diese Wiederherstellung geschah in der Zeit von 1897 bis 1900 durch Carl Schäfermit dem enormen Kostenaufwand von 520.000 Mark. Umgerechnet entspricht dieser Aufwand inflationsbereinigt im Jahr 2019 ca. 3.700.000 €.
Es war ein wunderschöner Tag, der uns lange in Erinnerung bleiben wird.